Anleitung: Wie werde ich Blogger/Netzaktivist

Du fragst dich vielleicht schon seit einiger Zeit, wie du ein(e) wichtige(r) Blogger(in) oder ein toller Netzaktivist werden könntest. Das ist gar nicht schwer und viel leichter als das von den System-Medien dargestellt wird, denn: Einigkeit herrscht in weiten Teilen der Netzwelt zur Zeit nur darüber, was (politisch) alles nicht gewollt wird. Man macht sich einen Sport daraus alle Versuche der Politik, Regeln für das Netz zu finden, öffentlich zu zerlegen. Wer ins Fadenkreuz der Internetfreischärler gerät darf sich sicher sein, dass er am Ende im Netz als ahnungslos inkompetenter  Helfershelfer der unbelehrbaren Offliner und Internetausdrucker dasteht. Denn diejenigen die gegen die Offliner und Internetausdrucker antreten sind die Guten. Sie sind auf der Seite der Sieger und deshalb haben sie immer Recht, auch - und gerade - wenn sie sich mit ihrer Agrumentation auf dünnem Eis bewegen.
Es besteht für dich also kein Grund unnötig konstruktiv zu sein.

Um nun Anerkennung und vor allem Leser in diesen - gern als Bürgerrechtler auftretenden - Kreisen zu erhalten musst du dich beim Bloggen nur an die folgenden Tipps halten und die Punkte in beliebiger Reihenfolge und Dosierung mischen:

  1. Politiker sind zu doof für das Internet;
  2. Parteien begreifen einfach nicht wie das super tolle Web2.0 funktioniert;
  3. Politik und Justiz sollen sich aus Netzangelegenheiten raus halten, weil sie das einfach nichts angeht, außer sie entscheiden, dass der Netzspielplatz unantastbar sei;
  4. Internetversteher stehen viel zu weit über den analogen Verlierern, um deren Argumente ernsthaft erwägen zu müssen und
  5. das alles gilt natürlich nicht für die Piratenpartei, deren Vertreter wundersamerweise keine Politiker sind und die auch gern mal auf den rechten Weg abkommen, dies solltest du aber großzügig übergehen.
Verantwortung? Politische Korrektheit? Vergiss was du bisher darüber gelernt hast. Denn was sind die Rechte von Frauen, Kindern, Arbeitnehmern, Behinderten, Ausländern und Homosexuellen; der Klimawandel, Umweltverschmutzung, Artensterben; Arbeitslosigkeit, Verarmung, Globalisierung; Iran- und Afghanistankrieg, Terrorismus; Hungertod und Wassermangel schon gegen die Forderung alles frei - was in diesem Fall natürlich kostenlos meinen sollte - herunterladen zu dürfen! Da du niemandem gegenüber trittst und etwas persönlich ins Gesicht sagen musst, kannst du eventuell auftretende Hemmungen ruhig hinter dir lassen.

Zwei bis drei Beiträge in gepfeffert anti-analogem Stil sollten für Anfänger ausreichen, ein cooles Netz-Image zu bekommen.
Auf dem Weg zum fortgeschrittenen Netzkenner empfehle ich dir auch Mailinglisten mit möglichst unerfüllbaren und möglichst widersinnigen Forderungen vollzuspammen, doch dazu ein anders Mal mehr…

Posted 2 months ago

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