Über "Always on" als Lebensgefühl

In seinem Blog Beitrag zur Frage des wiwo Chefredakteurs Roland Tichy nach dem Lebensgefühl der Piraten außerhalb des Internet argumentiert Martin Weigert, dass diese Fragestellung den Denkfehler gleich mit liefere, denn für die Generation Piraten gebe es keinen Lebensbereich der nicht in irgend einer Weise vom Internet berührt würde. Ich finde das stimmt und ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. Der Unterschied zwischen denen mit dem Lebensgefühl "Always on" und denen die sich als außerhalb des Internet lebend begreifen ist, dass bei ersteren die Reich- und Tragweite der technischen Revolution des Internet bereits im Bewusstsein angekommen ist.
Ob Payback-Punkte oder Fahrkarten aus dem Automaten, Anträge beim Arbeitsamt, oder KfZ-Zulassung, Bußgeldbescheide und Wohnsitzmeldung - alles wird über Firmen- und Behörden-Netzwerke abgewickelt die ihrerseits Unternetze des großen berühmten Internet sind.
Auch die Redakteure der konventionellen Medien erhalten ihre Informationen nicht mehr per Fernschreiber, sondern sie sind an die Netzwerke der großen Nachrichtenagenturen angeschlossen. Der Iran ist unter anderem deshalb so gut an das Internet angebunden, weil die Ölförderung und der internationale Handel über das Internet organisiert werden. Zu guter letzt sei noch erwähnt, dass natürlich immer mehr Telefonanbieter nicht nur DSL sondern - schon in naher Zukunft ausschließlich - auch die Gespräche kostengünstig und vielfach unbemerkt vom Kunden über das Internet leiten.
Auch wenn für viele der von mir aufgezählten Dienste kein Internetbrowser geöffnet werden muss um diese zu nutzen bedienen sie sich doch der Datenübertragung über das Internet. Alle Computerdaten die sich in Datenpakete packen und durch das weltweite Computernetz routen lassen, werden auch durch das Internet übertragen.
Daraus lässt sich ableiten welche tiefen Eingriffe in unser Leben durch Überwachung und Zensur des Internet möglich wären und darauf basiert das Lebensgefühl der Generation Piraten. Denn Webseiten, Soziale-Netzwerke und E-Mail stellen nur einen Bruchteil dessen dar wofür das Internet genutzt werden kann und wird.
Um die Frage des Herrn Tichy zu beantworten: Gar nicht, es sei denn es handelt sich um echte Piraten auf einer kleinen Insel jenseits unserer Gesellschaft irgendwo im Pazifik ohne elektrischen Strom.

Filed under  //  alwayson   gesellschaft   internet   leben   piraten  
Comments (0)
Posted 5 months ago